Growth Hacking – oder auch das moderne, datengetriebene, virale Marketing

Nun wollte ich der Sache doch mal auf den Grund gehen: Was genau ist eigentlich dieses Growth Hacking, das bei einigen Unternehmen mystisch herumgeistert? Und ist es überhaupt etwas Neues – oder doch ein weiteres Buzzword von vielen?

Als erstes folgte der Wiki-Check:

Growth Hacking ist eine Marketing-Technik, die von Startups entwickelt wurde, um mit Kreativität, analytischem Denken und dem Einsatz von Social Media den Absatz zu fördern und Bekanntheit zu erlangen.

Klingt erstmal wie aus der Not geboren. Startups haben schließlich nicht viel Budget, da müssen die sich schon etwas Innovatives einfallen lassen, um Bekanntheit zu erlangen. Kreativ muss man sein und eine clevere Verbindung von neuartigen Kanälen und Taktiken finden. Analytisches Denken und der Umgang mit Daten, Wissen um die Marke, das Produkt und den User sind gefordert. Und zum Schluss noch eine Prise Word of Mouth.

Als erster war es Sean Ellis, der 2010 den Begriff benutzte und bereits 2007 mit einem Groth Hack Dropbox zur Bekanntheitssteigerung verhalf.

„Das einzige Ziel eines Growth-Hackers ist Wachstum. Alles was er tut, hinterfragt das Potenzial skalierbarer Strategien.“

Das Credo lautet also Wachstum – so ein Startup muss sich schließlich entwickeln. Dabei können auch bereits existierende Kanäle oder Techniken anderer Unternehmen genutzt werden. Als Beispiel kann hier AirBnB genannt werden. Das Startup nutzte bereits 2008 eine schon existierende und große Fanbase, um Nutzer zu akquirieren. Eine selbstprogrammierte Schnittstelle wurde dabei in das zentrale Online Netzwerk Craigslist eingebaut. Somit konnten die Wohnungsangebote auch über das Anzeigenportal geteilt werden.

2012 wurde Groth Hacking von Andrew Chen (Growth-Hacking is the new VP Marketing) noch einmal aufgenommen und brachte den Begriff endgültig unter die Werbetreibenden.

Growth hackers are a hybrid of marketer and coder, one who looks at the traditional question of “How do I get customers for my product?” and answers with A/B tests, landing pages, viral factor, email deliverability, and Open Graph. […]

Weiter schreibt Chen, dass über allem die Disziplin des Direktmarketings schwebt, mit der Betonung auf quantitativer Messung, Szenarien-Modellierung und Datenbankabfragen. Im Grunde ergibt sich aus den kursierenden Definitionen folgendes Bild:

Growth Hacker
Grundvoraussetzung ist der Product-Market-Fit, der sicherstellt, dass das Produkt aus Sicht der Zielgruppe zweckerfüllend genau zu ihr passt. Wenn die Produkt-Qualität übereinstimmt, kann der wachstumsbasierende Ansatz greifen. Der Growth Hacker muss das Produkt nur noch kostengünstig an die Zielgruppe bringen – dann kann das Wachstum beginnen. Dabei spielt das systematische und datengetriebene Testen eine wichtige Rolle.

Aber nicht nur Startups wollen davon profitieren, mit geringstmöglichem Aufwand einen größtmöglichen Marketingeffekt zu erzielen. Auch Großkonzerne bedienen sich an diesem Prinzip. Neben dem Wachstum wollen sie ihre Zielgruppen besser kennenlernen.

Das Wachstum in fünf Schritten – sind die alt bekannten:

5 Schritte zum Wachstum
Am Ende zählt das Thema Advocacy. Wie viele Nutzer empfehlen tatsächlich das Produkt bzw. die Marke weiter? Damit baut sich der virale Effekt auf – das Wachstum eben. Doch nicht nur Social Media ist ein erfolgsversprechendes Medium. Growth Hacker bedienen sich unterschiedlichster Kanäle und Taktiken:

Growth Hacker Kanäle & Taktiken
Beispielsweise ist die Optimierung der User Experience (UX) ein wesentlicher Faktor für die erste Produkterfahrung und die Retation-Rate. Suchmaschinenoptimierung (SEO) führt zu einer größeren Sichtbarkeit und das Content-Marketing greift am Interesse der Zielgruppe, um sie als Fan zu gewinnen.

Es gibt einige Beispiele aus der Vergangenheit, die zum einen Growth Hacks veranschaulichen, zum anderen aber auch zeigen, dass diese Taktik schon vor der Einführung des Begriffs angewandt wurde.

Growth Hacking Beispiele

Der E-Mail-Service Hotmail hat bereits 1996 das Growth Hacking genutzt: Jede verschickte E-Mail hatte im Anhang den Hinweis „PS: I love you. Get your free E-Mail at Hotmail“, inkl. Homepage-Link. Dies führte zu einem viralen Effekt, der innerhalb von eineinhalb Jahren etwa 12 Millionen neue Account-Registrierungen brachte – bei damals ca. 70 Millionen Internet-Nutzern. 2004 führte Facebook das „Suggested-Friend-Prinzip“ (Vorschlagsfunktion) ein, ebenso wie Twitter 2006.

Vorschlags- & Share-Funktion FB, TW, YTYouTube (2005) sorgte für mehr Verbreitung der Videos durch das einfache Einbetten und Teilen auf verschiedenen Social Networks. Nach desem Prinzip handelte auch Instagram 2010. Somit profitierten beide Netzwerke von bereits existierenden, größeren Communities.

Share- & Empfehlungsfunktion Instagram & Dropbox

Bei Dropbox war es 2007 das zweiseitige Empfehlungsprogram, das für enormes Wachstum sorgte. Nachdem ein Nutzer einen Freund eingeladen hatte, wurden beide nach erfolgreicher Software-Installation mit zusätzlichem Speicherplatz belohnt.


Ist Growth Hacking nun etwas Neues? Eigentlich nicht!

Im Grunde hätten Unternehmen eben gern die eierlegende Wollmilchsau als einen Mitarbeiter – den Growth Hacker, der Wissen um digitale Entwicklung, Kanäle & Taktiken, Strategie (Zielgruppe, Marke, Produkt (Product-Marketing-Fit), Data und Development hat und erfolgreich selbst einsetzen kann.

 

Five Takeaways                                            

  1. Growth: In kürzester Zeit großes Wachstum
  2. Hacking: Digital
  3. Geringer Aufwand, kostengünstig (ohne große Dienstleisterketten)
  4. Tendenziell auf neuen Kanälen (Innovative, neuartige Nutzung von größeren Userbasen)
  5. Word of Mouth (virale Idee)

 

Zum Weiterlesen

Artikel

Portale