So sozial sind soziale Medien

Der Begriff Social Media, oder auf Deutsch „Soziale Medien“ klingt wirklich tiefgründig. Ein Medium welches soziale Kompetenzen, soziale Interaktivität oder ganz traditionell soziales Miteinander verspricht. Bei dem  sich Menschen auf virtuellem Raum nicht nur kommunikativ austauschen, sondern  sich im altruistischem Sinne umeinander „kümmern“ und ein offenes Ohr für die Belange anderer Individuen haben. Ja – sogar eine Gemeinschaft bilden, deren Mitglieder von sozialer Sachverständigkeit nur so platzen.  Doch ist das tatsächlich so? Sind diese Medien wirklich so sozial, wie es diese Wortkombination verspricht?
Das sich hinter dem Begriff „Sozial“ mehr verbirgt, als tatsächlich in den Sozialen Medien angeboten wird ist inzwischen wohl einigen Usern bewusst. Doch was ist nun genau das Soziale an Social Media? Warum verdient es dieser Terminus als „sozial“ gekürt zu werden?
Social Media bedeutet Interaktion, er bietet einen Raum, in dem sich User virtuell aufhalten können, Meinungen austauschen, sich an Diskussionen beteiligen oder sogar Probleme und deren Lösungen erörtern. Diese Medien sind für einige Menschen heutzutage weit mehr als nur ein weiterer Kanal für ihre Kommunikation. Facebook, Twitter und Co sind für viele inzwischen sogar ein wesentlicher und integrierter Bestandteil ihrer Lebenswelt geworden. Soziale Medien bieten eine Plattform, in der Menschen ihr Bedürfnis nach Kommunikation, Selbstverwirklichung und sozialer Anerkennung verwirklichen können, ohne dabei ein Fuß vor die Tür zu setzen.

Eine Studie aus Amerika hat sogar ergeben, dass amerikanische Social-Media-User scheinbar sozialer sind, denn 27,6 Prozent geben an, dass ihre Offline-Beziehungen durch Social-Media-Interaktion profitierten. Die Hälfte der Befragten empfindet die Online Kommunikation als bedeutungsvoller als die Reale.  Rund  Ein Viertel der Befragten zieht keinen Unterschied zwischen echter und virtueller Kommunikation.
Doch die Frage ist wie stabil solche soziale Beziehungen im medialen Raum sind. Während wir in unserem  realen Leben Werte wie „Zuverlässigkeit“, „Empathie“, „Treue“  und „Vertrauen“ schätzen, können sogenannte „Freunde“  in den sozialen Medien ganz schnell „gebannt“ und „ignoriert“ werden. Sowas wäre sicherlich auch im realen Leben manchmal ganz praktisch.

Wer kennt nicht die nette, aber nervige Nachbarin, die einen mit ihrem aufdringlichen Mitteilungsbedürfnis zuschnattert? Wie einfach wäre es in solch unausweichlichen Momenten schnell auf den „Ignorieren-Button“ zu klicken um somit manch zeitraubenden sozialen Verpflichtung zu entgehen?
„Klick“ – nervige Nachbarin weg
„Klick“ – alter Schulkamerad weg, der einen mit seinen Lebensbewältigungsproblemen belästigt
„Klick“ – sogar der eigene Bruder muss dran glauben und ignoriert werden
„Klick“ „Klick“ „Klick“  – so einfach lassen sich Probleme – zu mindestens in der virtuellen Welt –  lösen. Doch ist das sozial?
Im realen Leben ist dieses Feature werte-bzw. normbedingt natürlich nicht gebräuchlich. Obwohl es eigentlich „technsich“ möglich ist auch jemanden im Realen zu ignorieren. Diese hätte aber spürbare soziale Konsequenzen  (beleidigt sein, Streit, Vorwürfe) zu folge, die für viele so unangenehm sind, dass man sich doch lieber die neuesten Gerüchte der Nachbarin zu Gemüte führt.
Genaugenommen sind soziale Medien nicht „sozial“, sondern sie sind “nur”  interaktionsermöglichende Medien. Sie bieten eine weitere Möglichkeit zur sozialen Interaktion. „Echte“ Interaktionen sind es dann auch nur, wenn jemand auf die Nachricht oder Tweed reagiert, indem er antwortet, diesen „liked“ oder weiterverlinkt. Ansonsten könnte man genauso gut in den leeren Wald hineinrufen, das wäre genauso unbefriedigend hinsichtlich der sozialen Bedürfnisse.

Solange Soziale Medien nur als weiterer Kanal für die eigenen sozialen Kontakte sind, besteht auch nicht die Gefahr, dass wir uns zu SM-Zombies transformieren. Diese haben zwar 700 Freunde auf Facebook, aber keine Ahnung wie man sich in Real anständig benimmt.

Und da hatte Mutti doch mal wieder Recht: Solange man es mit einer Sache nicht übertreibt und weiß wo die Grenzen sind, dann sind soziale Medien echt praktisch.
Und vielleicht bäckt die nervige (aber wie gesagt nette) Nachbarin auch mal einen Kuchen.