Chinas Baumeister der virtuellen Welt. Der Sim-City Look ist zurück.

Mapping your life. In den letzten 5 Jahren setzten hunderte chinesische Grafikdesigner die detailgetreue Digitalisierung von über 120 Innenstädten um. Die Grafik erinnert dabei stark an die Optik des Computerspiels ‘Sim-City’ aus früherer Zeit, das den Aufbau (und auch die Zerstörung) von Stadtwelten ermöglichte.

Der Anbieter Dushiquan bietet bereits 38 ‘Sim-City-Karten’. Die chinesischen Stadtmodellierer expandieren und scheinen ordentlich Profit zu machen. Die größte Suchmaschine des Landes hat die beliebten Digitalstädte sogar in ihren Landkartendienst aufgenommen. Aus der Idee, ganze Innenstädte in einer Computerspiel-Grafik nachbauen zu lassen, kann aus folgenden Gründen wohl nur in einem Land wie China eine Erfolgsgeschichte gemacht werden.

Die chinesischen Web-Unternehmen lassen ihre zahlreichen Grafiker für einen vergleichsweise geringen Lohn arbeiten. Hinzu kommt die Tatsache, dass es in China tatsächlich mehr als 160 Millionenstädte gibt und dass eine unglaubliche Masse an Menschen online ist. Letzteres kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Die meisten, vor allem jüngeren, Chinesen haben 3 wichtige Hobbies: Internet, Internet, …und achja Internet. Chinesen stehen außerdem auf Animationen und alles, was im Comic-Style umgesetzt wird. Das sind außerordentliche Voraussetzungen, die einen Ansatz wie die digitalisierten Landkarten umsetzbar und profitablel machen.

Die Firmen machen dabei auf verschiedenen Wegen ihre Modelle zu Geld. Sie verkaufen Werbeflächen in ihren Online-Landkarten oder drucken ganze Stadtpläne in der Sim-City-Optik. Sie lizenzieren ihre virtuellen Stadtpläne für Stadtinformationsdienste und werben für ihre Auftragsarbeiten mit ihren frei zugänglichen Websiten.

Die auf Basis von Satellitenfotos und Landkarten nachgebauten Städte bieten allerdings in keinem Fall eine virtuelle 3D-Ansicht. Das Werk der Pixelbaumeister kann lediglich aus einer vorgegebenen Perspektive mit Zoom-Möglichkeit erlebt werden.

Die größte Anforderung in Zukunft wird sein, mit der ständigen Veränderung innerhalb der Metropolen Schritt zu halten. Die Großstädte Chinas sind geprägt durch Baustellen. Allein im Jahr 2010 haben Investoren in China an die 1000 Milliarden Dollar für weitere Bauvorhaben ausgegeben. Die vielen Grafiker müssen sich ranhalten, dass sie nicht von der sich rasant wandelnden Welt um sie herum überholt werden.