Facebook, Lamebook, Openbook.

Hier im Reich der Mitte habe ich mich auf das Problem der Zensur eingestellt. Aber wie sieht es mit euch zu Hause aus? Schon wieder stößt man auf folgende Schlagzeile: “Facebook unter Zensurverdacht!” Das wunderbar betitelte “Lamebook”, das unser Social Media Netzwerk No.1 satirisch-kritisch auf’s Korn nimmt, wurde erst kürzlich “aus Versehen” durch Mr. Zuckerberg & Co geblockt. Eine kleine Entschuldigung des Unternehmens und man hat das Ganze wieder Schulter klopfend abgetan. Die Öffentlichkeit hat aber nur verziehen und nicht vergessen. Jetzt ist der empörte Aufschrei um so lauter zu vernehmen. Schon wieder wird  zensiert! Diesmal fällt das “Openbook” der Kritikempfindlichkeit von Zuckerberg zum Opfer.

Paradoxerweise zensiert Facebook seine eigenen Inhalte. Das Openbook zeigt nur, was bei Facebook veröffentlicht wurde und nicht nutzerbeschränkt ist. Schön zu wissen, dass das, was wir in China kritisieren, auch in unseren Reihen stattfindet.

Wie der Name buchstäblich vermuten lässt, kann man unter youropenbook.org auch ohne Facebookmitgliedschaft die Posts von Usern suchen und lesen. Erstaunlich, wo man doch eigentlich nur seinen Freunden erzählen wollte, was man am Wochenende erlebt hat, und nicht seinem zukünftigen Chef.

Zuckerberg fühlt sich offensichtlich auf die Füße getreten. Das Openbook dient nicht dem Zweck, Nicht-Usern freundlicherweise interessanten Content zukommen zu lassen. Das Openbook prangert gezielt die Mißstände im Bereich des Datenschutzes und der Privatssphäre der User an. Viel zu viele Leute sind sich nicht im Geringsten darüber bewusst, dass sie so manchen privaten Post in das Worldwide Web einspeisen; und dabei ist worldwide wörtlich zu nehmen. Durch die immer komplexere Struktur ist es für den User schwer zu durchschauen, welche Inhalte für wen zugänglich sind. Tatsächlich sind immer mehr Informationen in den Standardeinstellungen frei zugänglich und müssen erst aktiv geändert werden. Sicherheitslücken, auf die Entwickler von youropenbook.org aufmerksam machen wollen.

Verschickt man über Facebook eine Nachricht, die auf youropenbook.org verweist, erscheint folgender Hinweis: „Diese Nachricht enthält blockierte Inhalte, die zuvor als missbräuchlich bzw. Spam markiert wurden.“ Tatsächlich darf Facebook als Unternehmen unsere Mails nach bedrohlichen oder pornographischen Inhalten scannen. Aber youropenbook.org kommt mir doch zu friedfertig daher, als dass es einem dieser Ansprüche genügen würde.