I ‘like’ – but I don’t care!!

“Wie stehen wir so zur Konkurrenz, check das doch mal bitte kurz.” – “Sieht gut für uns aus, die haben nur schlappe 136 Facebook ‘likes’, mit unseren 1360 sind wir…?”

Ja, was ist man mit seinen 1360 Facebook ‘likes’ oder Twitter ‘followers’? 10 mal beliebter als die Konkurrenz? Populärer? Erfolgreicher auf dem Markt? Der so hart erkämpfte Social Media Zuspruch wir von Kommunikationsberatern im Business-Bereich als eine DER Messlatten für die Wertigkeit von Unternehmen kommuniziert. Frustrierend, dass sogar die Profis anscheinend den Blick für das Wesentliche verloren haben und Bekanntheit mit tatsächlich messbaren erfolgsrelevanten Kriterien verwechselt wird. Wenn man sich wie ein Kind über die Quantität freut, sollte man sich im Anschluss auch Gedanken über die Qualität machen. Aber die Erfassung von ‘hard facts’ ist einfach nicht sexy genug, zu unemotional. Die ‘likes’ dagegen – WOW. Oder doch nicht?

Ein ‘like’ bedeutet nicht gleichzeitig auch ‘ein Kunde’. Nicht einmal einen Lead muss es bedeuten.  Ich kann eine Designer-Handtasche für 20 000€ ‘liken’ oder den neuesten Porsche. Trotzdem bin ich mit Sicherheit kein potentieller Kunde oder gehöre zur Zielgruppe. Ich kann eine Website ‘liken’, nachdem ich einen guten Artikel gelesen habe und sie trotzdem nicht ein einziges weiteres Mal besuchen.

I like but I don’t care…

Die ‘likes’ sagen nichts weiter aus als: Who’s bigger than who? Wobei sich durch die schwammigen Interpretationsmöglichkeiten die Frage stellt – inwiefern größer? Die Antwort auf diese Frage ist simpel und relativ eindimensional: es dreht sich alles um den Bekanntheitsgrad. Aber halt – Popularität ist doch klasse!? Für Nutella vielleicht, ja. Weil hier die gesamte Volksmasse, jung und alt, Männlein und Weiblein, die Zielgruppe und auch potentielle Käuferschaft darstellt. Aber was will man dann mehr, was brauchen die Unternehmen, die einzelne Marktsegmente bearbeiten? Nicht einfach Popularität, sondern ‚Spezifische Popularität’.

Unternehmen mit Ansprache spezifischer Marktsegmente können mit Popularität an sich wenig anfangen. Hier bringt nur die Bekanntheit bei der relevanten Zielgruppe Erfolg versprechende Ergebnisse für das Marketing. ‘Likes’ geben aber leider keinen Aufschluss über Kaufverhalten, Intention, Demographie etc. Nach dieser Überlegung sind wenige qualitative ‘likes’ doch mehr.

Irgendwo ist bei der Planung und Umsetzung der Social-Media Kommunikation von Unternehmen das Targeting verloren gegangen. Den Unternehmen wird der falsche Maßstab zur Ermittlung der eigenen Wertigkeit vermittelt. Links, ‚retweets’, ‚likes’ – alles Aktionen, die meist leichthin und ohne längerfristig relevante Absichten gemacht werden. Von der Vielzahl an Möglichkeiten, die eigenen Statistiken durch Tricks aufzupolieren und so zu verfälschen, ganz abgesehen.

Kein Wunder also, dass es so lange dauert, bis die sozialen Medien ihren adaequaten Platz in der Wirtschaft gefunden haben. Wenn selbst manche Unternehmensberater nicht genau begruenden koennen, warum Unternehmen sich auf die Optimierung von ‘fans’ und ‘likes’ konzentrieren sollen, ist es Zeit umzudenken. Social Media bietet schliesslich mehr als den ‘I like’ Button.  Zum Beispiel den Dialog mit den Kunden, oder mit solchen, die welche werden koennen – vielleicht aufwaendiger als Klicks zu generieren, aber mit Sicherheit sehr viel effektiver.