Wird uns Google Analytics zum Verhängnis?

Ist Google tatsächlich ‘böse’? Sind gespeicherte IP-Adressen ein anonymes Datum oder eine Personen bezogene Information? Die Diskussion ist nicht neu. Doch Hamburgs Datenschutzbeauftragter Caspar ist in dieser Sache jetzt aktuell weiter auf dem Vormarsch. Mittlerweile steht ein Musterprozess gegen ein größeres Unternehmen im Fokus der Datenschützer. Schon 2009 wollten Bund und Länder gemeinsam an einem Strang ziehen und den 1,8 Millionen Unternehmen in Deutschland auf den Leib zu rücken, die Google Analytics nutzen.

Doch um zum Anfang zurückzukommen. Ist Google tatsächlich ‚böse’? Um die ganze Aufregung nachvollziehen zu können, sollten wir uns einmal genau anschauen, was Google mittels des Dienstes Analytics eigentlich einsammelt. Es sind keine Namen. Es sind auch keine Kontonummern oder Adressen. Es ist schlicht und einfach unser Klickverhalten über unsere  IP-Adresse. Wir reden hier also von einer 32-bit-Adresse, die jedem Endgerät eindeutig zugeordnet werden kann, sobald es online geht. Der Knackpunkt der Angelegenheit liegt in der Tatsache, dass der Zugangsanbieter den Schlüssel in der Hand hält, um mit einem Klick, die bis dato anonyme IP-Adresse mit einem Namen zu versehen.
Google versichert dir zwar, dass in keinem Fall deine IP-Adresse mit anderen Daten von Google in Verbindung gebracht würde. Doch was wenn doch? Schließlich hält sich Google damit jede Tür offen, dies doch eines Tages zu tun. Datenschützer machen Google in diesem Zusammenhang vor allem den Vorwurf, dass die Speicherung der eingesammelten IP-Adressen für eineinhalb Jahren gegen den Datenschutz in Deutschland verstößt.

Ganz abgesehen von dem rechtlichen Streit tut sich die Frage auf: Hat Google überhaupt Interesse daran, den Namen und die wahre Identität des Nutzers in Verbindung mit seinem bis ins letzte Detail aufgedeckten Nutzungsverhalten zu bringen? Google weiß auf welchem Portal wir unsere Reise gebucht haben, welchen Shop wir besuchen, welches Video wir uns anschauen. Google kennt uns verdammt gut. Doch steht dahinter bislang immer das Ziel, den Nutzer mit möglichst zielgruppenspezifischer Werbung bombardieren zu können. Unser Name und unsere wahre Identität sind in diesem Fall für die Suchmaschine von keiner Bedeutung. Google ist also nicht böse, weist aber durchaus gewisses Potential auf.
Datenschützer kritisieren vor allem die Weiterleitung vieler Daten in Verknüpfung mit IP-Adressen in die USA. Dass hier kein verbindliches Datenschutzabkommen besteht, ist nicht nur Caspar ein Dorn im Auge. Hinzu beanstandet der Datenschützer, dass sich zwar viele Nutzer durch ein entsprechendes Plugin für ihren Browser vor Datenweiterleitung schützen können – allerdings ist dieses Feature nicht allen zugänglich. Das Programm ist nur ab Internetexplorer 7 bzw. Mozilla Firefox 3.5 und  für Google Chrome anwendbar. Der Rest hat auf gut Deutsch ‚halt Pech gehabt’.

Verhandlungen mit dem Suchriesen sind bislang gescheitert. Aus diesem Grund wollen sich die Datenschützer jetzt die Websitenbetreiber vorknöpfen und mit ‚empfindlichen Geldbußen’ belegen.

Infos auch unter: http://www.focus.de/digital/internet/google/statistikdienst-aerger-um-google-analytics_aid_589223.html